Meran - Wiege des italienischen Badmintonsports

Der SCM als Geburtshelfer für einen neuen Sport

Wenn von sportlicher Tradition in Meran die Rede ist, dann denken viele an Wildwasserkanu, an große Eiskunstlauf- oder Leichtathletikveranstaltungen, aber kaum jemand an Badminton. Und dabei hat die Sektion Badminton im SCM schon mehr als 50 Jahre auf dem Buckel und maßgeblichen Anteil daran, dass dieser verhältnismäßig junge Sport in Italien Verbreitung fand.

Schon 1961 holten einige Sportclub-Mitglieder diese Sportart in die Passerstadt. Zwei Jahre später wurde dann die Sektion Badminton gegründet, und damit war der SC Meran auch der erste Badmintonclub in Italien.

Es dauerte ganze 15 Jahre, bis der italienische Badmintonverband aus der Taufe gehoben wurde, und wieder hatten die Meraner großen Anteil daran. Denn sie waren es, die die Gründung eines solchen anregten. AIBS bedeutete Associazione Italiana Badminton e Squash. In jener Zeit wurden mit Meraner Unterstützung zwei weitere Südtiroler Vereine gegründet, und zwar in Mals und in Brixen.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre verzeichnete man einen großen Qualitätssprung vor allem bei der Jugendarbeit. Es wurden Trainer aus dem Ausland geholt für Trainingslager und Fortbildungskurse für Trainer. Die Nationalmannschaft bestand vorwiegend aus SCM-Athleten, Männer wie Damen.

Die Meraner Jugend dominierte das italienische Badminton und gewann fast alles, was es zu gewinnen gab. Mit Petra Schrott hätte sich sogar eine SCM-Spielerin für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona - als erste Spielerin in Italien überhaupt - qualifiziert. Doch die Spiele blieben für Petra leider ein Wunschtraum, denn das Italienische Olympische Komitee CONI beschloss damals, aus Spargründen die Zahl der Athleten zu verringern.

1993 holte der damalige Sektionsleiter Gerhard Theiner einen Profi-Trainer nach Meran, nämlich Zhou Jun Ling aus China. Es war ein Glücksgriff, denn für den SCM begann eine außergewöhnlich erfolgreiche Ära im Senioren- und Jugendsektor. Talente wurden besonders gefördert, unzählige Erfolge in allen Altersklassen wurden erreicht, und in der italienischen Mannschafts-Meisterschaft der Serie A holte der Sportclub Meran zwölf Titel in Serie.

Einziger Wermutstropfen:  Klaus Raffeiner verpasste ganz knapp die Qualifikation für Peking 2008. Die „olympische Pechsträhne“ ging für den SCM also weiter.

In der Zwischenzeit hatten aber andere Vereine aufgeholt. Viele Clubs betrieben gute Jugendarbeit. Die Konkurrenz war um ein Vielfaches größer geworden. In Mailand war ein nationales Trainingszentrum errichtet worden, wo unter der Obhut von  professionellen Trainern gearbeitet wurde. Die Saat des SCM ist also aufgegangen. Und auch wenn das Kräfteverhältnis sich verschoben hat, so kann sich die Arbeit in der Sektion Badminton nach wie vor sehen lassen. Das Training leitet heute neben weiteren anderen ehrenamtlichen Trainern und Trainerinnen, Fredy Saha aus Malaysia, ein Mann, der  all sein Können und Engagement  mit Leidenschaft in die Jugendarbeit steckt. Nach einer mehrjährigen Pause stieg der SCM im Herbst 2015 wieder in den Mannschafts-Meisterschaftsbetrieb ein.

Natürlich sind im Gegensatz zu früher die Ausgaben enorm gestiegen. Aber Sponsoren und ehrenamtliche Mitglieder gewährleisten mit ihrer finanziellen Zuwendung bzw. mit ihrem Engagement und tatkräftigem Einsatz, dass das, was in den frühen 60er Jahren begann, bestehen bleibt und erfolgreich fortgeführt wird.